Ein Tag in Tallinn

Ein Tag in Tallinn

Tallinn bietet sich wunderbar an, um einen Tagesausflug von Helsinki zu machen. In die 80 km entfernte Hauptstadt Estlands gelangt man mit der schnellsten Fähre in ca. 2,5 Stunden. Tallinn selbst kann man wirklich in ein paar Stunden erkunden, da man alles leicht zu Fuß abgehen kann. Wir selber haben knapp 3,5 Stunden in der Stadt verbracht, hatten aber trotzdem das Gefühl, das Wichtigste gesehen zu haben.

Die Fähre der Viking Line legt am Hafen von Helsinki auf der Halbinsel Katajanoka ab. Dazu geht man Richtung “Finnair SkyWheel” und überquert die kleine Brücke. Nun muss man nur noch der Straße immer geradeaus folgen. Die riesige Fähre bzw. vielen Menschen sind kaum zu übersehen.

Achtung: Man sollte mindestens eine halbe Stunde vor Abfahrt dort sein, da der Check-In dann endet und die Fähre extrem pünktlich ablegt!

Unsere Fähre legte um 10:30 los. Die Hin- und Rückfahrt ohne Auto kostet uns 18€. Dieser Preis variiert aber je nach Jahres- und Uhrzeit etwas. Fährenzeiten: https://www.vikingline.com/en

Auf der Fähre selber gibt es ein Restaurant, mehrere Cafés, ein Pub, einen kleinen Souvenirshop und sogar einen Duty-Free Shop, der bei der Rückfahrt stark frequentiert ist, da sich die Finnen hier gerne mit billigen Spirituosen eindecken. Mir scheint, dass überhaupt sehr viele Finnen nur zum Shoppen nach Lettland fahren, da hier alles um einiges günstiger als in Helsinki ist. Tallinn hat aber doch ungefähr das Preisniveau von Österreich oder Deutschland.

Die Fahrt im Winter war übrigens traumhaft schön. Die Zeit verging wie im Fluge. Die Fähre bahnte sich einen Weg durch das zugefrorene Meer. Links und rechts des Schiffes wurden die Eisplatten zur Seite geschoben. Trotz -12° war sogar ein kurzer Deckaufenthalt am hinteren Teil des Schiffes Pflicht. Hier konnte man wunderbar beobachten, wie sich die Fähre eine Schneise durch das Eis schnitt.

Wir legen gegen 13:00h in Tallinn an. Bis zum ersten Stadttor in der Burgmauer ist es ca. ein 15 Minuten Fußweg von der Fähre. Man kann den Weg nicht verfehlen. Alleine die Burgmauer und die kopfsteingepflasterte Straße versprüht schon einen ersten mittelalterlichen Charme, als wäre man sofort in der Zeit zurückversetzt.

Für Tallinn braucht man keinen Plan, Navi oder sonstiges. Es gibt mehr oder weniger einen Rundweg innerhalb der Stadtmauer und selbst wenn man diesen verlässt, sind alles Sehenswürdigkeiten innerhalb von ein paar Metern.

Die erste Kirche auf die man trifft ist die Olaikirche. Die älteste Erwähnung der Kirche ist datiert auf 1267.

Für die damalige Zeit war das Bauwerk mit knappen 140 Metern extrem hoch. Manche behaupten sogar, das höchste Gebäude der Welt, was aber wohl nicht stimmen dürfte. Bewiesen ist jedoch, dass aufgrund der Höhe des Gebäudes, der Blitz hier schon 8 Mal einschlug und die Kirche schon 3 Mal komplett niederbrannte.

Wir folgen der Straße und kommen zur Heiliggeistkirche unterhalb des Domberges. Diese Kirche wurde ebenfalls schon um das Jahr 1300 errichtet und 1380 fertig gestellt.

Sie ist die kleinste mittelalterliche Kirche Tallinns. Der minarettartige barocke Turm wurde erst im 17 Jahrhundert errichtet, nachdem der alte vom Blitz getroffen wurde und abbrannte. Außen auf dem Gebäude befindet sich die älteste Uhr Tallinns.

Tallinn 70
Tallinn 75- Heiliggeistkirche

Ein paar Schritte weiter kommen wir zum Rathaus, welches das Zentrum der Stadt bildet. Das Gotische Rathaus wurde im 13 Jahrhundert errichtet. Von der Aussichtsplattform hat man offenbar einen wunderbaren Überblick über die Altstadt, leider haben wir uns darüber im Vorfeld aber nicht schlau gemacht. Auf der Spitze des Rathauses befindet sich der “Alte Thomas”, das Wahrzeichen Tallinns.

Der Rathausplatz war bereits im Mittelalter Marktplatz und Ort für große Feierlichkeiten wie die Prozessionen der Kaufmannsbrüderschaften, Waffenspiele sowie Karnevals- und Maifeierlichkeiten. In wärmeren Monaten finden hier auch nach wie vor diverse Festivitäten statt.

Tallinn 85- Rathaus
Tallinn 90- 6insinkinghelsinki
Tallinn 80- Rathaus
Tallinn 95- Rathausplatz

Weiter geht es Richtung Domberg, wo wir am Fuße auf die Nikolaikirche (Niguliste kirik) treffen, die ebenfalls im 13 Jahrhundert fertiggestellt wurde. Sie wurde nach dem Heiligen Nikolaus geweiht, dem Schutzpatron der Seeleute, Kaufleute und Fischer.

Während des 2. Weltkriegs wurde die Kirche fast völlig zerstört und zwischen 1953 und 1984 wieder völlig aufgebaut.

Zeit mal was Essen zu gehen. Eigentlich wollen wir ins “Rataskaevu 16”, doch leider ist dieses komplett voll. Stattdessen entscheiden wir uns für das “Oliver Restaurant”, welches sich nur 3 Türen daneben in der Rataskaevu 22 befindet.

Das Restaurant verfügt über einen sehr gemütlichen und charmanten Steinkeller welcher mittelalterlichen Flair verbreitet. Als Vorspeise bestellen sich manche von uns eine Zwiebelsuppe. Zugegeben, sie sieht nicht besonders verlockend aus, schmeckt aber wirklich sehr gut, wenn auch etwas süßlich. Das mit Käse überbackene Brot macht es zu einem wahren Genuss bei diesen Temperaturen. Also Hauptspeisen haben wir Steak oder Farfalle mit Lachs (am Foto sieht es etwas wie Reis aus. Das ist aber in wirklichkeit der Ganze Parmesan). Die Speisen sind jedenfalls zu unserer vollsten Zufriedenheit.

https://www.restaurantoliver.com

Gestärkt erklimmen wir die letzten paar Stufen zum Domberg und kommen zur wohl schönsten Sehenswürdigkeit Tallinns, der Alexander-Newski-Kathedrale, benannt nach dem dem russischen Nationalhelden und Heiligen Alexander Jaroslawitsch Newski.

Die Die Newski-Kathedrale wurde ende des 19. Jahrhunderts erbaut. Die Kathedrale hat 11 Glocken, die alle in St. Petersburg gegossen wurde. Die schwerste hat ein Gewicht von 16 Tonnen. Zudem verfügt die Kathedrale über 3 Altäre.

Neben der Kathedrale befindet sich das estnische Parlament.

Wenige Schritte weiter befindet sich der Tallinner Dom, der von außen allerdings schon sehr verfallen aussieht. Die ursprünglich erste Kirche aus Holz wurde vermutlich im Jahre 1209 hier errichtet. 1229 wurde diese aber durch einen Steinbau ersetzt.

Vor dem Dom befindet sich im Winter übrigens eine Glögg (Punsch) Verkäuferin. Ich sag mal so- den muss man nicht probiert haben. Mir war nachher etwas übel…

Vom Domberg hat man übrigens auch einen wunderbaren Blick auf die Altstadt, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Wir kaufen uns noch ein paar letzte Souvenirs und machen uns auf den Rückweg Richtung Fähre- um 17:00 legt sie wieder Richtung Helsinki ab. Etwas wehmütig schauen wir retour. Während wir noch auf hoher See sind, geht die Sonne langsam unter. Mitten am Meer sind vereinzelte Leuchttürme von Eisplatten umschlossen die in der Abenddämmerung wie Strände wirken. Gegen 19:30 erreichen wir wieder Helsinki.

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